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vH 046 — Zivilmandarine von Kaschgar

Studioaufnahme von vier, auf einem ost-turkestanischen Teppich stehenden, Männern vor einer gemalten Kulisse. Drei Chinesen in langen, weissen Beinkleidern und dunklen Jacken. Als 2. v.l. W.O. v. H. in einfacher Uniform, ohne Kopfbedeckung, mit Reitstiefeln.
[verso:] Dr. Werner Otto von Hentig / Legationssekretär / Dr. von Hentig Hand in Hand mit den Zivilmandarinen von Kaschgar / 1915 [sic!, 1916]. [Anmerkung von H.W.v.H.:] Die Aufnahme ist nach der Freilassung meines Vaters aus dem Gewahrsam des Militärgouverneurs (Matitai) entstanden; sie zeigt ihn hier mit den Beamten Hand in Hand stehend, um gutes Einvernehmen zu demonstrieren. Vgl. die Törnquist-Erinnerungen.
  • Hentig (1918): Meine Diplomatenfahrt ins verschlossene Land, S. 181-182: „Die Tagessonne schien alles wieder in Ordnung gebracht zu haben, wenigstens im Palaste. Die Wachen waren auf ihre übliche Stärke zurückgegangen. Das Gesicht des uralten, zerbrechlich dünnen Obersten, der mich zu einem – meinem letzten – Frühstück abholte, war ganz entlastet, das meines behäbigen Wirtes bis auf einen Reflex meiner eigenen düsteren Stimmung strahlend. Was ich schon wusste und zu sagen auf der Zunge hatte, teilte ich ihnen mit; dass ich gleichen Tages nach Peking abreisen würde. Von meinen Freunden hörte ich, sie wollten mich nicht im Stich lassen. Jede nur denkbare Ehre sollte mir erwiesen werden, und um die Freude, sich mit mir photographieren zu lassen, sollte ich sie auch nicht bringen. Ein reges Leben durchwogte plötzlich die weiten Vorhöfe des ehrwürdigen Yamen; Wachen zogen auf, Karren wurden instand gesetzt, Maultiere geschirrt, Gepäck verschnürt. Ein buntes, staubüberpudertes, von der farbigen alten Sonne Turkestans warm gemaltes lebendiges Bild! Laufend Komplimente von allen Seiten, dann bringt mich ein Sprung rückwärts in die Polster der Pekingkarre, mit freundlicher Überlegenheit verstaut der alte chinesische Kutscher meine herausragenden Beine, die Maultiere ziehen an, die Tore öffnen sich, der Zug ordnet sich, und mit Bannern und Fanfaren geht es, fast ebenso laut, wie ich eingezogen war, rasselnd über die ausgefahrenen Quadersteine der alten Neustadt. Nur durch die Glasscheibe in meinem Vorhange kann ich die Bevölkerung sehen, die staunend-schüchtern mit den Augen nach den Deutschen sucht. Wir bleiben ihnen aber verborgen. Selbst Josef ist feierlich in eine Karre gesetzt worden, und es ist gut so, denn so bleibt ihnen die Erinnerung einer Macht und Bedeutung – die Enttäuschung meines jugendlichen Anblicks bleibt ihnen erspart. […] Vor der Stadt hielten meine Freunde noch einen kurzen Abschied. Dann mahlten die Karren durch den tiefen Sand weiter.“
  • Hentig (1928): ): Ins verschlossene Land: ein Kampf mit Mensch und Meile, S. 170-171: nahezu gleicher Textabschnitt.
  • Berliner Illustrirte Zeitung (24. Februar 1918): Im Krieg über Persien und die englisch-russische Front nach Afghanistan.: identische Abbildung: „Die deutschfreundlichen Chinesen: Der Verfasser, Dr. von Hentig, Hand in Hand mit den Zivilmandarinen von Kaschgar.“
  • Hentig (1962): Mein Leben - eine Dienstreise, S. 179-180: „[…] Die beantragte besondere Reisegenehmigung wurde nicht ausgestellt. Das führte zu grossen Gefahren für mich und Schwierigkeiten für die chinesischen Verwaltungsbehörden. Das englische und russische Generalkonsulat stellten mich als den bekannten Konsulmörder aus Persien hin, der als ›troubleshooter‹, als Unruhestifter, schon von Afghanistan ausgewiesen sei, während die chinesischen Behörden vor einem Rätsel standen, warum die deutsche Gesandschaft nicht auf die Meldung eines Beamten des Auswärtigen Dienstes antwortete. Selbst Freunden – und wir hatten eine ganze Reihe ausser den tüchtigen und im besten Sinne christlichen Missionaren bei Chinesen und Mohammedanern gewonnen – kam die Angelenheit dunkel vor. Als ich nun gar bei einem wohlüberlegten Besuch in Kaschgar, der Höhle des Löwen, wo ich die Leute persönlich von meiner Harmlosigkeit überzeugen wollte, nur mit knapper Not und durch das zufällige Dazwischentreten des schwedischen Missionars Törnquist und seiner tapferen Frau einem Mordanschlag entronnen war, sah ich, dass ich mich auf die Dauer nicht in einer Stadt unlegitimiert und ohne Unterstützung würde halten können, wo nationale und örtliche Gegensätze so hart aufeinanderstiessen. […] So entschloss ich mich zu dem Landmarsch durch die ganze Breite des gewaltigen chinesischen Reichs, zur Erleichterung der chinesischen Behörden und unerschüttert in meinem Ruf bei der mohammedanischen Bevölkerung, weil ich als einzelner Deutscher zwei grossmächtige Generalkonsulate mit starken Schutzwachen wochenlang in panikartiger Angst gehalten hatte. […]“
  • Hentig (2003): Von Kabul nach Shanghai, Abb. 13, S. 166: Ausschnitt aus dieser Abbildung: „Der Verfasser zusammen mit den chinesischen Beamten, die seine Freilassung aus dem Gewahrsam des Matitai in Kaschgar erwirkt hatten.“
  • Hentig (2003): Von Kabul nach Shanghai, S. 168-167 [Brief an die Eltern, Maralbaschi, 15. September 1916]: „Ich schildere Euch später einmal die dramatischen Stunden, die ich eigentlich nur durch einen Zufall, das Eintreten des Missonars Törnquist, überlebte. Rührend setzten sich die chinesischen Zivilbeamten, nicht ohne Gefahr für sich selbst, für mich ein. Mit Mühe und Schläue hatten sie ihre Stellung gegenüber dem Ma Titai, dem Militärgouverneur und den allerdings stark eingeschüchterten Generalkonsuln gehalten und mich gerettet. Ich stellte aber fest, dass meine Stellung auf die Dauer zu schwach war, so sehr ich unerklärlicherweise meine Widersacher erschreckt hatte. Mein keckes Auftreten schien ihnen zu beweisen, dass noch unbekannte Kräfte hinter mir ständen. Es blieb mir nur die Möglichkeit, Röhr abzuberufen und mich gleichfalls auf Maralbaschi, ich ostwärts und er nordwärts durch die Taklamakan, in Marsch zu setzen. Vor uns liegt der längste Marsch, den ein Kontinent dieser Erde erlaubt, wieder hinein ins Ungewisse, in dem ich Euch zunächst lassen muss. / Euer treuer Sohn.“
Bild Nr.
vH 046
Sammlung
Botschafter Werner Otto von Hentig 1915-1917
Serie
von Hentig: Serie 1: vH 001-062, Anreise und Rückreise
Format
165/215 mm
Qualität
neuere grobkörnige Kopie einer alten Photographie
Ort, Datum
Kashgar, Juli 1916
Deskriptoren
  • 1.56 Pictures of People
  • 1.65 Travel Books 1915-1945
  • 2.117 China: E-Turkestan/Sinkiang
  • 4.366 Emir Habibullah (1901-1919)
  • 4.416 RC Relations with China
  • Breitengrad / Längengrad39.485442 / 76.009127
    Google Earthca. 39°28''14" N / 75°59'23" E / 1290 m

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